Mittwoch, 4. Januar 2012

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Mit Homer und Mozart durchs Jahr - täglich eine Episode aus der Odyssee und
Musik von Amadé ...


Amadés Werke

- reine Musik - und die Irrfahrten des Odysseus - von Homer in Hexametern erzählt - miteinander verwoben: frappierende Übereinstimmungen und erstaunliche Anknüpfungspunkte ...

Mozart-Fans aus der ganzen weiten Welt versorgen YouTube mit Amadés Musik, ob aus Nord- oder Südamerika, Japan, Rußland, Europa. Beweis für die weltumspannende Faszination seines Genies....

Neugierig auf Don Giovanni, dessen letztes Abenteuer der Tod ist:
Dem Reisenden Erlösung, dem Nach-dem-Leben-Suchenden letzte Wahrheit.

Neugierig auf Leporello, die Kehrseite seines Herrn, Mitreisender und Mitgezeichneter.

Neugierig auf Odysseus, die Irrfahrten allen Lebens.

Neugierig auf Amadé, der diese und andere Figuren auf die Reise schickt,  ihre
Hoffnungen, Ängste, Träume und Alpträume spürbar macht. 
Der seine Konflikte mit Autorität und Rebellion, Liebe und Tod, Geborgenheit und Einsamkeit, Wahrheit und Lüge uns erleben läßt. Der die "innere Geschichte" seines Lebens erzählt, selten konform mit den äußeren Umständen.


Odyssee

Das älteste und einflussreichste Werk der abendländischen Literatur ist Homers Odyssee aus dem 8. Jahrhundert v. Chr., das handelt von den Abenteuern des Königs Odysseus und seiner Gefährten im Kampf um Troja und auf ihrer überlangen Heimreise und erzählt von der Suche des Sohnes nach dem vermissten Vater.
Der junge König auf der kleinen Insel Ithaka zieht - widerwillig - in den zehnjährigen Krieg, irrt weitere zehn Jahre umher. Unerkannt und als Bettler kehrt er als einziger heim, findet sein Haus voller Fremder, die sein, des Totgeglaubten Eigentum verprassen.
Die - uneinigen - Götter und Halbgötter mit menschlichen Zügen wirken stets mit am ruhelosen Schicksal des listenreichen Helden und einsamen Dulders. Durch die Himmel der Liebe und die Hölle der toten Seelen geht seine Reise. Er trifft Kikonen, Lotophagen, Kyklopen, Laistrygonen, Sirenen, Phaiaken, Kirke und Kalypso, Skylla und Charybdis, durchsegelt Orkane, erleidet Schiffbruch ...  


War es ein oder sind es mehrere Verfasser?

Wie immer die Antwort auf diese Homerische Frage auch lautet: Der Sänger der „Odyssee“ muss besonders gut erzählen, um seinen Zuhörern die bekannten Geschichten aus dem Troja-Sagenkreises schmackhaft zu machen. Atemberaubend die Dramaturgie des Freiermords: Der Erzähler pendelt zwischen gleichzeitigen Ereignissen an verschiedenen Schauplätzen. In Lakedaimon sucht Telemach seinen Vater, die Götterversammlung im Olymp beschließt dessen Heimkehr, Odysseus harrt derweil in der Grotte Kalypsos seines Schicksals. Der Erzähler wechselt zwischen Perspektiven und Zeiten, lässt Teiresias die Zukunft voraussagen und Odysseus  den Phäaken in großer Rückblende seine Irrfahrten berichten.
Und immer hat eine Episode fast genau 30 Zeilen, mit denen der Sänger seine Zuhörer in Atem hält; das Blog bringt jeden Tag eine davon. Hatten die antiken Sänger ihren Vortrag ebenfalls für ein Jahr geplant?




Der listenreiche Protagonist ist ein Trickser vor Gott Zeus, einer, der alle hinters Licht führt – den Kyklopen Polyphem, dem er sich als „Niemand“ vorstellt, bevor er ihn blendet. Oder den getreuen Sauhirten Eumaios, dem er die Lügengeschichte auftischt, er sei ein Ex-Troja-Kämpfer aus Kreta. Odysseus, ein kluger, sein Risiko kühl kalkulierender Politiker  – ob er sich an den Mast binden lässt, um dem Gesang der Sirenen zu lauschen, oder ob er lieber sechs Mann der Skylla opfert, als die gesamte Besatzung an Charybdis zu verlieren. Verblüffend, wie selbstbestimmt und gewitzt Odysseus innerhalb mythischer Zwänge agiert.
In neuzeitlich anmutender Subjektivität brennt Homer sein erzähltechnisches Feuerwerk ab.  Irrfahrten und Odysseus’ verzögerte Heimkehr nach Ithaka haben sich mit spektakulären Bildern von Kampf, Schiffbruch und Rache tief ins kollektive Bewusstsein gegraben.

Überall auf der Welt warten Menschen auf irgendetwas. Penelope ist Metapher für unentwegtes, hoffnungsvolles Warten und Sehnen. Wie oft mag sie aufs Meer hinausgeschaut haben, immer in Erwartung, ein Segel könnte die Heimkehr des Odysseus bedeuten. Ithaka als Wort, als Symbol, als Ziel einer Reise zu sich. 

Und seit Heinrich Schliemanns Ausgrabungen ist der reale Hintergrund all dessen erwiesen, für Adorno ist Odysseus der erste Charakter, der sich nicht den Göttern und dem Schicksal ergibt, sondern dagegen ankämpft, Herrscher wird über das eigne Geschick, auferstanden am 16. Juni 1904 in Dublin als Leopold Bloom.




Wie bei Odysseus sind auch bei Mozart die nahtlos aneinandergefügten Reisen Sinnbild seines von Ruhelosigkeit geprägten Lebens. 1763, im Alter von sieben Jahren, bricht Amadé zur ersten großen Konzerttournee durch Europa auf, der geschäftstüchtige Vater hetzt ihn durch Europa: Salzburg, Wien, Mannheim, London, Paris, Den Haag, Mailand, Mantua, Rom.
Die Kulissen seiner Kindheit und Jugend sind harte Postkutschenbänke, derbes Gasthofsleben, fürstliche Festsäle, gepuderte Hofdamen, das geborgene Familienleben fehlt. Eine Musikkultur, die sich von den Fürstenhöfen in die bürgerliche Welt verlagert und unter wirtschaftliche Zwänge gerät, feiert ihr Wunderkind.

Wer ist dieser Mozart?

Menschen bekennen sich auch nach langer Beschäftigung mit seinem Werk noch immer als Suchende.

Warum klingt seine Musik so einfach?

Kluge Menschen von Hegel bis Hildesheimer sehen in Mozart Genie, gepaart mit Unvernunft und Unreife, im Film "Amadeus" ist er eher ein hysterischer Jüngling als ein rebellischer Mann.

Ein einfühlsamer Kurfürst sagt zu dem 25jährigen: "Man sollte nicht meynen, daß in einem so kleinen kopf so was grosses stecke" ...

Hans Neuenfels rät:
"Bei Mozart musst du alles befragen, sonst kommst du zu keinem Genuss. Winzige Steinchen trägst du zusammen. Du hortest Details. Du drehst die Steinchen um und entdeckst plötzlich eine andere Farbe, einen anderen Klang. Du musst die Steinchen wiederholt ordnen. Du verlierst die Nerven, wirfst alles durcheinander. Da entdeckst du ein neues Bild, und du und ich begreifen: Alles an Mozarts Musik ist abgefangen, abgeschöpft, abgerungen, erfunden, erdacht, entdeckt, erobert, ja, auch ertrotzt, erraten, erfingert, gewagt und erspielt, und ebendieses inbrünstig versteckte Vorher, dieses winzige Davor, dieses Stelldichein mit sich selbst, dieses närrische Nadelöhr, durch das er genüsslich mindestens zwanzig fette Kamele ziehen lässt, treibt ihn liebestoll und todesmutig in die Unfehlbarkeit."



Hört, lest, schreibt: eure Fragen, Ideen, Kritik, Ergänzungen, Erfahrungen mit zwei Großen aus Musik und Literatur!


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1 Kommentar:

  1. Mit der Musik von Mozart wäre die gefühlte unendlich lange Reise des Odysseus wahrscheinlich einfacher und entspannter gewesen. Heute erfreuen wir uns an den Sagen des Helden und an der Musik des Komponisten. Zwei Künste, die einen verständlich machen, wie schmackhaft das Leben doch eigentlich ist und das wir jeden einzelnen Moment genüsslich auskosten sollten.

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